Ratgeber für Vermieter
OHA: Die Wohnkostenpauschale amerikanischer Mieter verstehen
Frank Neumann, Immobilienmakler mit Erlaubnis nach § 34c GewO · Immobilien4you · Stand: 16.10.2026
Der wichtigste Unterschied zwischen einem amerikanischen und einem zivilen
Mieter steht nicht im Mietvertrag, sondern auf der Gehaltsabrechnung: US-Militärangehörige
im Ausland erhalten eine Overseas Housing Allowance (OHA) – eine monatliche
Wohnkostenpauschale, die für Miete und Nebenkosten bestimmt ist. Wer diese Zulage versteht,
versteht, warum dieser Markt anders funktioniert als der zivile – und wie eine Miete
angesetzt sein muss, damit sie überhaupt in Frage kommt.
Wie die OHA funktioniert
Die Höhe richtet sich nach Dienstgrad, Familienstand und Standort. Sie deckt die
tatsächliche Miete bis zu einer Obergrenze – wer günstiger wohnt, bekommt entsprechend
weniger ausgezahlt, wer darüber liegt, zahlt den Rest selbst. In der Praxis heißt das:
Die Miete hängt an einer festen Zulage des Dienstherrn, nicht am Familieneinkommen.
Die Zulage besteht aus mehreren Bestandteilen, und genau das wird von Vermietern oft
übersehen:
- Mietanteil. Er wird gegen die tatsächlich vereinbarte Kaltmiete
abgerechnet, höchstens bis zur Obergrenze für den jeweiligen Dienstgrad. - Nebenkostenanteil. Eine Pauschale für Strom, Wasser, Heizung und
laufenden Unterhalt. Sie wird nicht gegen Ihre Betriebskostenabrechnung gerechnet,
sondern pauschal gezahlt. - Einzugshilfe. Eine einmalige Leistung für Dinge, die beim Einzug ins
Ausland anfallen – etwa Transformatoren oder notwendige Anschaffungen.
Die konkreten Sätze werden regelmäßig je Standort erhoben und angepasst; verbindlich
sind immer die aktuellen Werte des Verteidigungsministeriums. Nennen Sie deshalb bei einer
Mietpreisfrage nie „die OHA“ als feste Zahl – maßgeblich ist, in welchem Rahmen sich
vergleichbare Abschlüsse am Standort gerade bewegen.
Nicht jeder Amerikaner bekommt OHA
Ein Unterschied mit praktischen Folgen: Zivile Beschäftigte des Verteidigungsministeriums
und Angehörige von Vertragsfirmen erhalten keine OHA, sondern andere Leistungen – oder gar
keine. Auch die Vertragsabwicklung läuft dann anders. Wer eine Anfrage bekommt, sollte
deshalb früh klären, in welchem Status der Interessent in Deutschland ist. Das ist keine
Misstrauensfrage, sondern der Unterschied zwischen einer zweckgebundenen Zulage und einem
normalen Gehalt.
Was das für Ihre Miete bedeutet
Erstens: Zahlungsausfälle sind seltener, weil das Geld zweckgebunden fließt. Zweitens:
Die OHA-Sätze setzen einen realistischen Rahmen für die Miethöhe. Eine Miete oberhalb der
üblichen Sätze schränkt den Kreis möglicher Mieter stark ein; eine Miete deutlich darunter
verschenkt Ertrag. Wir ordnen die erzielbare Miete anhand vergleichbarer Abschlüsse und der
aktuellen Sätze ein – schriftlich und begründet.
Drittens – und das ist der Punkt, an dem die meisten Inserate scheitern: Entscheidend
ist die Gesamtbelastung, nicht die Kaltmiete allein. Ein Haus mit hoher
Kaltmiete und sparsamer Heizung kann günstiger sein als ein scheinbar billigeres mit
Nachtspeicheröfen. Amerikanische Interessenten rechnen genau so, weil ihr Nebenkostenanteil
gedeckelt ist. Ein unsanierter Altbau mit hohem Verbrauch fällt deshalb schnell durch,
auch wenn die Kaltmiete stimmt.
Mietanpassungen während der Laufzeit
Die OHA-Sätze werden fortgeschrieben, Ihr Mietvertrag nicht automatisch. Wenn Sie mit
steigenden Kosten rechnen, gehört das vor Vertragsschluss geregelt – über eine zulässige
Staffel- oder Indexmiete oder über den gesetzlichen Weg der Mieterhöhung bis zur
ortsüblichen Vergleichsmiete (§ 558 BGB). Nachträgliche Zuschläge „weil die Zulage
gestiegen ist“ gibt es nicht; so funktioniert weder das deutsche Mietrecht noch die
Zulage.
Ehrliche Grenzen
Die OHA ist keine Mietgarantie. Sie endet mit der Versetzung, und sie ersetzt keine
saubere Mieterauswahl. Deshalb gehören zur US-Vermietung immer beides: die Bestätigung der
Dienststelle und ein ordentlicher Vertrag mit Übergabeprotokoll. Auch die Kaution
bleibt üblich und sinnvoll – begrenzt auf drei Nettokaltmieten nach § 551 BGB, angelegt
getrennt vom eigenen Vermögen.
Und noch eine Grenze: Niemand kann Ihnen zusagen, dass nach dem Auszug einer Familie
sofort die nächste einzieht. Standortentscheidungen, Truppenstärken und Bauprojekte auf
der Basis verändern die Nachfrage. Stabil ist dieser Markt seit Jahrzehnten – garantiert
ist er nicht.
Häufige Fragen
Zahlt das Militär die Miete direkt an mich? In der Regel zahlt der
Mieter, nicht die Dienststelle. Die Zulage fließt an ihn, die Überweisung kommt von ihm.
Darf ich die Miete an die Obergrenze anlehnen? Sie dürfen jede Miete
vereinbaren, die rechtlich zulässig ist. Realistisch ist, was vergleichbare Objekte am
Standort erzielen – orientieren Sie sich daran, nicht an der Obergrenze.
Was passiert bei Versetzung? Dann greift die Military Clause im
Vertrag. Wie sie wirkt und was sie für Ihre Kalkulation bedeutet, steht im Beitrag zum
US-Mietvertrag.
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wir sagen Ihnen, was realistisch ist.